Anno Blissenbach

1956 - 2014

Ein paar meiner Erinnerungen an Anno - von Uli Rothe


Seit vierzehn Jahren kannte ich ihn. Aus einer kleinen Runde unregelmäßiger sogenannter Lehrertreffen in der Pappelallee, an der er fast immer teilnahm, wuchs nach Jahren das Bedürfnis, mehr bewirken zu können als bloßen Informationsaustausch. Ein paar Kolleginnen und Kollegen taten sich zusammen und gründeten die Landes-Lehrervertretung der Berliner Musikschulen. Anno war dabei, ich auch. Er übernahm zu Beginn grundlegende Aufgaben wie die Ausarbeitung von Satzung und Programm. Unsere Zusammenarbeit wurde bald immer enger und ich lernte ihn immer besser kennen. Oft telefonierten wir stundenlang über Fragen der Musikschulpolitik. Wenn ich meiner Frau sagte, Anno ist dran, ging sie meist gleich ins Bett.


Obwohl wir beide, Anno und ich, sicherlich grundverschiedene Typen waren und bei gemeinsamen Auftritten sicher ein kurioses Gespann abgegeben haben (worüber Anno übrigens einmal herzlich lachte), waren wir uns meist nach kurzer Diskussion einig in unseren Einschätzungen zu den Musikschulen. Für mich zeigte sich dabei: Anno war zwar


kein Jurist - aber ein Anwalt der Musikschullehrer;

kein Politiker - aber ein Politikprofi;

streitbar - aber nicht zänkisch;

sperrig - und doch meist nicht im Wege;

unnachgiebig im Kern - und dann überraschend tolerant in Details;

energisch und souverän redend - wenig später vor lauter Unsicherheit seinen Stuhl sinnlos zurecht rückend;

manchmal nervtötend kleinteilig (wer mal versucht hat, mit ihm gemeinsam ein Schreiben zu formulieren, weiß wovon ich rede) - und kurz darauf wieder großzügig liberal;

oft hoch geschätzt - doch manchmal auch belächelt;

im besten Sinne ein Bürger - aber kein Spießer;

Werte hochachtend - und Achtlosigkeit verachtend.


Und mit Achtlosigkeit hatten und haben wir viel zu tun! Vor allem wegen seiner aufrechten, unbeugsamen, man möchte fast sagen „kerzengeraden“ Haltung zu unseren Kolleginnen und Kollegen wird er fehlen.